Es ist ein schönes, beeindruckendes Phänomen, das uns daran erinnert, dass es immer einen neuen Morgen gibt – auch nach der längsten Nacht. Wenn wir diesem Moment bewusst Aufmerksamkeit schenken, kann er uns erfrischen und erneuern. Es braucht oft nur einen kurzen Augenblick im Alltag, um diesen Wechsel von Dunkelheit zu Licht wahrzunehmen. Doch ohne diese bewusste Wahrnehmung, ohne das Innehalten, verpassen wir die Wirkung dieses kleinen Wunders.
Im Advent, der Zeit des Wartens und der Hoffnung, könnte dieses Ritual noch eine tiefere Bedeutung bekommen: Es kann eine Verbindung zu Gott schaffen. Indem wir im Morgenlicht beten, bitten wir um Kraft und Licht für den Tag oder danken für die Energie und Freude, die uns gegeben wird. Gerade in dieser Jahreszeit, in der wir uns auf das Kommen Jesu vorbereiten, können wir diese kleinen Momente nutzen, um uns an das größere Licht zu erinnern – das Licht, das in der Dunkelheit der Welt erstrahlt.
In Zeiten, in denen uns die Dunkelheit der Welt bedrückt – sei es durch Kriege, autoritäre Regime, Umweltkatastrophen oder persönliche Sorgen – brauchen wir mehr denn je die Hoffnung auf das Licht. Der Prophet Jesaja spricht von diesem Licht, das über allem Dunkel erstrahlt: „Das Volk, das in der Finsternis geht, sieht ein großes Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnen, leuchtet ein Licht auf.“ (Jesaja 9,1)
Dieses Licht ist nicht nur ein fernes Versprechen, sondern eine Gegenwart, die uns in der Dunkelheit der Welt trägt. Vielleicht ist es am Morgen besonders spürbar, wenn das Dunkel der Nacht sich zu einem neuen Tag erhebt. Der Musiker Gregor Linßen drückt es in einem schönen Lied so aus: „So wie die Nacht flieht vor dem Morgen, so zieht die Angst aus dem Sinn, so wächst ein Licht in dir geborgen, die Kraft zum neuen Beginn.“
Nehmen Sie sich im Advent bewusst Zeit, um dieses Licht zu erleben – innen wie außen. Es muss nicht immer groß sein. Es reicht oft schon, einen Moment innezuhalten und den Beginn des neuen Tages zu würdigen. Wenn wir diese einfachen Rituale pflegen, wird das Geheimnis des Advents lebendig. Es kann uns durch die dunklen Tage tragen und uns zu einem lichtvollen Höhepunkt führen – zu Weihnachten.
Möge Gottes Licht in uns allen leuchten. Eine besinnliche und lichtreiche Adventszeit für Sie!
Thomas Bartl, theologischer Referent Brucker Forum
Bild: Daniela Linsbauer, Pfarrbriefservice